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Ballerina High: Ermüdungserscheinungen

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Was soll ich lang drumherum reden: Der sechste Band hat mich an meiner Schreibfähigkeit zweifeln lassen, echt jetzt! Es ging los mit grammatischen Einbrüchen wie der Verwechslung von Dativ und Akkusativ, zunehmender Kommaschwäche, wobei ich eher zu viele als zu wenige Kommas gesetzt habe, und ganz blöden Fehlern wie nähmlich. Da die Verlegerin die Texte quasi blutig auf dem Schreibtisch haben wollte, hat sie das alles natürlich gefunden. Aber selbst Schuld, wenn sie mir nicht mal Zeit für die automatische Rechtschreibhilfe lässt!

Aber auch inhaltlich hat es mich ganz schön geschlaucht. Natürlich habe ich auch diesen Band mit Exposé geschrieben. Aber da ich nach dem 5. Band mehrere Änderungen durchgeführt hatte – man erinnere sich an Samuel Connors Entschärfung – war ich an manchen Stellen schlichtweg nicht mehr sicher, ob das alles so noch passte. Ganz besonders der zeitliche Rahmen verwirrte mich zunehmend. Die ursprünglichen drei Handlungswochen waren definitiv einfacher zu handhaben gewesen. Aber die genehmigte Erweiterung um vier Bände ließ die Handlung plötzlich auf sechs Wochen wachsen. Und da fragt man sich irgendwann nicht nur sprichwörtlich, wo die Zeit geblieben ist.

Die vorsichtige Nachfrage bei befreundeten Kollegen ergab, dass ich mich mit meinen Ermüdungserscheinungen in guter Gesellschaft befinde. Irgendwann hat man seine eigenen Figuren satt und hofft, dass sie lieber heute als morgen zu Potte kommen und sterben / durchfallen / sich sonst wie in Luft auflösen, damit man endlich fertig ist. Aber es ist auch nicht ohne, jemanden einfach sterben zu lassen, ohne dass es dafür einen triftigen Grund gibt …

Vielleicht hatte ich deshalb während des Schreibens hinter jedem Satz eine inhaltliche oder wörtliche Wiederholung befürchtet und mit etwas verkrampften Gehirnwindungen nach alternativen Formulierungen gesucht. Es hat dem Schreibfluss nicht besonders gut getan, weil ich ständig Angst hatte, eintönig zu werden. Erst beim Selbstlektorat merkte ich, dass an den Stellen, die ich besonders sorgfältig formuliert und immer wieder überarbeitet hatte, mehr Wiederholungen und überflüssige Satzglieder als sonst zu finden waren. Am Ende blieben von 160 A5-Seiten nur noch 140 übrig. Das waren mal eine Menge Füllsel für den Kachelofen!

E-Book, ab 13. Mai 2016 für 1,49 €

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