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Das Caféhaus-Syndrom: Sie dürfen mich ruhig siezen!

Mit einer Sache hat der Volksmund wohl recht: Je älter man wird, desto konservativer wird man. Ich merke dieser Tage, dass ich dahingehend das nächste Level erreicht habe.

Uuund zwar bin ich häufiger in Cafés anzutreffen, um dort zu arbeiten, vornehm zu parlieren oder einfach mal dumm vor mich hinzustarren. (Letzteres hat mit der neuen Brille einen ganz besonderen Charme entwickelt, finde ich.) Wenn’s schneller gehen muss, bevorzuge ich inzwischen SB-Cafés. Und due to corporate identity reasons werde ich dort vom Counter-Personal immer häufiger geduzt.

Letztens ist mir dann aufgrund mehrerer zusammentreffender Umstände die Hutschnur geplatzt und ich meinte spitz (ja, ich gebe zu, ich hatte einen anstrengenden Ton drauf!): „Sie dürfen mich ruhig siezen.“ Die arme Studentin war damit im ersten Moment sichtlich überfordert, aber dann haben wir uns drauf geeinigt, dass sie mich auch künftig siezt, da ich öfter in bez. SB-Café vorbeischaue.

Nun stand hinter mir ein mitteljunger oder mittelalter Herr, den ich inzwischen auch vom Sehen kenne, und der reklamierte bei seiner Bestellung das Siezen sofort auch für sich, weil (O-Ton) „ich nicht im Schweiße meines Angesichts erwachsen geworden bin mit der Aussicht, endlich Respekt und Ansehen ob meines Alters entgegengebracht zu bekommen, um dann sofort wieder zum unmündigen Bürger zurechtgeduzt zu werden!“

Woah. Das ist mal eine Formulierung!

Der Herr gab mir die Erlaubnis, ihn anonym zu zitieren, weshalb ich euch nun hier von diesem Ereignis berichte.

P.S.: Nein, es war nicht die berühmte amerikanische Coffeshop-Kette mit der verunglückten grünen (geflügelten?) Dame im Logo. Es handelt sich um eine hier in Franken ansässige Kette, deren Geschäftsführung dieses Geduze anscheinend vorschreibt. Nein, is‘ schon okay, von mir aus darf hier alles multi-kulturellisiert werden, schließlich wurzele ich auch wo ganz anders, aber bitte lasst uns doch den Respekt, der u.a. an unsere Personalpronomen gekoppelt ist, nicht wegrationalisieren. Is‘ halt so im Deutschen.

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6 Kommentare zu “Das Caféhaus-Syndrom: Sie dürfen mich ruhig siezen!

  1. elenoravelle
    14. Dezember 2016

    Ich finde es nur immer sehr dubios, wenn mich Leute duzen, die selbst gesiezt werden wollen. Da kommt die Einstellung des Gegenübers über den Wert meiner Person so richtig schön zur Geltung.

    Gefällt 1 Person

  2. elenoravelle
    14. Dezember 2016

    So weit ist es jetzt schon gekommen, dass wir wieder beim Sie sind. :’D Sie, Frau… hm… ^^

    Gefällt 2 Personen

  3. simonsegur
    16. Dezember 2016

    Ach, ich Café finde ich das eigentlich ganz schön – mittlerweile (in einem Alter, wo mir in der U-Bahn schon mal ein Sitz angeboten wurde!) einer der wenigen Orte, wo ich mir dann jünger vorkomme 🙂
    Wo ich das Duzen extrem hasse: IKESA! Da kriege ich bei jeder Werbung einen Anfall …

    Gefällt 1 Person

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. Dezember 2016 von in Textflash Quintessenz.
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